| St.
Pius - Geschichte + Kirchengebäude |
St.
Pius - Kirchenpatron |
Mitte
des 19. Jahrhunderts war das heutige Gebiet des Stadtbezirkes
Berlin-Friedrichshain noch eine ländliche Gegend. Das
aber änderte sich mit der Gründung des Deutschen
Reiches 1871. Der Bevölkerungsanteil der Katholiken von
etwa 6 % stieg nun enorm. Für die aus dem Osten Deutschlands
kommenden Katholiken musste hier ein religiöser und sozialer
Mittelpunkt geschaffen werden.
So
entstand 1873 auf einem Hinterhof in der Palisadenstraße
die Pius-Kapelle und 1894 an ihrer Stelle die große
Pius-Kirche.
Der Name der Kirche war damals für die Berliner Katholiken
ein Programm. Es war die Zeit des bedrückenden Kulturkampfes.
Der Reichskanzler Bismarck versuchte die katholische Kirche
in die Knie zu zwingen. Aus Solidarität und Treue zum
damaligen geistigen Oberhaupt, Papst Pius IX., gaben die Katholiken
Berlins ihrer Kirche seinen Namen, offiziell allerdings nach
alter kirchlicher Tradition einem Heiligen, nämlich
Papst Pius V. Der 96 m hohe Turm sollte alle
auf das Dasein der Katholiken in diesem dichtbevölkerten
Stadtteil aufmerksam machen.
Um die Jahrhundertwende gehörten etwa 31 000 Mitglieder
zu dieser Gemeinde.
Auf dem riesigen Kirchengebiet von St. Pius wurden
vor dem 1.Weltkrieg weitere Gemeinden gegründet:
1904 Corpus-Christi in der Thorner Straße (heute
Conrad-Blenkle-Str.)
1908 St. Antonius in der Rüdersdorfer Str.
Nach dem ersten Geistlichen, der aus seiner Heimatdiözese
durch den Kulturkampf vertrieben worden war und der noch ausschließlich
an der Kapelle tätig gewesen war, folgte der erste Pfarrer
der Gemeinde, der erfolgreich in Deutschland auf Betteltour
für die neue große St.Pius-Kirche ging. Nach seinem
Weggang führte der zweite Pfarrer seine Gemeinde durch
die schweren Zeiten der zwei Weltkriege, des Nationalsozialismus
und der ersten Nachkriegsjahre nach 1945. Brandbomben hatten
im März 1945 Teile der Kirche, vor allen des Turmes,
zerstört.
Ab
1954 folgten noch drei weitere Pfarrer, die ganz andere Aufgaben
bei der bedeutend kleiner gewordenen Gemeinde bewältigten.
1958/59 wurde die bis dahin als Metallgerippe stehende obere
Turmspitze auf Wunsch des Architekten der Stalinallee um 30
m gekürzt. Man wollte keine über die Allee hinausragenden
Bauten, schon gar keine Kirchenbauten.
1968
sollten sich auch die Neubauplanungen am Alexanderplatz bemerkbar
machen: Das Kirchengebäude von St. Xaver in der
Jacobystraße 24 wurde abgetragen. Teile des Gemeindegebietes
werden St.Pius angliedert.
Durch
die Zerstörungen des 2. Weltkrieges und die Bebauungen
der 50er und 70er Jahre nach 1970 steht die Piuskiche heute
frei, umgeben von einer kleinen Grünanlage. Auf der Wunschliste:
Eine Heizung für den gesamten Kirchenraum, eine neue
Orgel (dafür sammelt ein Förderverein) und ausreichend
Platz im Pfarrhaus.
Der Pius-Kirchturm ist noch immer ein markanter Punkt in der
Stadtsilhouette.
Besonders Kunstkenner und Brautpaare schätzen die gelungene
Architektur und Ausstattung
des Kirchenraumes.
Auch deshalb wurde 2003 die Piuskirche mit dem Fusionsdekret
zur Pfarrkirche der neuen Gemeinde St. Antonius.
Zum markanten Geläut der Piuskirche gibt es einen separaten
Beitrag
und eine Hörprobe.
Susanne Bogatzki
top 
|