Busfahrt
in die Oberlausitz am
2. Juni 2004 -
Wallfahrtskirche Rosenthal und Kloster Marienstern
Nach
Bautzen im Vorjahr interessierten sich erneut 50 Leute
(nicht nur Senioren) aus Antonius für das katholische
und sorbische Leben in der Oberlausitz, das auf eine über
700-jährige bauliche Geschichte zurückblicken
kann. Wie vergänglich dagegen Bauten in heutiger
Zeit sein können, sahen wir von unserem Bus aus:
Die Cargolifterhalle Brand und der Lausitzring. Neu für
uns waren die Sicherheitsgurte im Bus und eine Routenbegleitung
am Monitor.
Erste Station war die Wallfahrtskirche
Rosenthal. Die dortigen Wallfahrten finden dreimal
im Jahr statt, die größte von ihnen ist immer
am Pfingstmontag. Den tausenden Wallfahrern zur Marien-Gnadenfigur
aus Lindenholz (um 1480) verdankt die Rosenthaler Kirche
auch ihr stattliches Erscheinungsbild: Bei der heutigen
dreischiffigen Barockkirche denkt man jedoch nicht gleich
an eine Gründung der Zistersienser (von Marienstern
aus). Aber der Kirchbau musste mehrmals wiederholt werden,
denn Hussiten, Schweden und letzte Kriegstage 1945 ließen
nur wenig von den Vorgängerbauten übrig - mit
Ausnahme der Marienfigur, die die bewegten Zeiten überstanden
hat...
Das alles erfuhren wir von Prior Ubald, einem der beiden
verbliebenen Zistersiensermönche am Ort.
Geistiger
und wirtschaftlicher Mittelpunkt war aber immer das benachbarte
Kloster Marienstern in Panschwitz-Kuckau.
Dieses verdankt seine Entstehung von 1248 und den großzügigen
Ausbau der wunderbaren Errettung des Ritters Bernhard
von Kamenz, der dem Aufbau des Kloster sein ganzes Vermögen
opferte. Auch in Marienstern unübersehbar: Die Verehrung
Mariens - ein Merkmal der Frömmigkeit der Zistersienser.
Eine Besonderheit ist die über die Jahrhunderte ununterbrochene
Nutzung als Frauenkloster. Was es früher nicht gab:
Zistersienserinnen im Chorgestühl im Altarraum (seit
1991).
Die komplett erhaltenene und (dank Landesausstellung Sachsen
1998) sehr ansehnlich restaurierten Klosteranlage nebst
Wirtschaftsgebäuden birgt eine Vielzahl von Einzelbauten:
Klosterstüb'l, Klosterkirche, Klosterladen, Klosterschatz
...
Wieder erfuhren wir etwas von den politischen, kirchlichen
und architektonischen Bindungen an Böhmen und dortige
Klöster (Osseg). Symbol dafür ist der böhmische
Löwe als Brunnenfigur im Innenhof. Immerhin blieben
Marienstern und einige Klosterdörfer auch nach der
Reformation katholisch. In dieser Zeit entstanden kuriose
Personalbesetzungen: In Marienstern gab es einen evangelischen
Klostervogt und die katholischen Äbtissinnen wiederum
bestimmten die Pastoren ihrer evangelischen gewordenen
Klosterdörfer.
In
der Ausstellung der Schatzkammer erfährt man auch,
daß sich die sorbische Sprache und Kultur in den
die katholischen Klosterinseln der Lausitz mehr als andernorts
erhalten haben. Die ausgedehnten Ländereien des Klosters
mit ihren Fischteichen, Wäldern und landwirtschaftlichen
Nutzflächen sind schon in der DDR-Zeit verpachtet
worden. Die Nonnen widmen sich heute vornehmlich der Betreuung
von fast 100 Behinderten. Es gibt für diese eine
Förderschule und klostereigene Werkstätten.
Höhepunkte
des kirchlichen Festjahres sind das Osterreiten, ein alter
sorbischer Brauch, und die prächtige Prozession am
Fronleichnamsfest. Sonst lädt das Kloster eher zum
stillen Verweilen ein. Im Gästehaus kann man auch
Heilfasten und sich Anregungen für die Anlage eines
Kräutergartens und eine gesunde Lebensweise holen.
Im
Klosterstübel aber gibt es keinen Zwang zum Hirsebrei,
sondern ganz normales und gutes Essen. Die klostereigene
Brauerei hat allerdings schon 1973 zugemacht. Dafür
gibt es weiter "katholisches Bier" aus Wittichenau.
Mehr:
bei www.marienstern.de
, www.bautzen.de
, Geschichte
des Bistums.