Diese
entlegene Ecke Berlins im Friedrichshagener Forst dürften
vorher nur unsere Firmbewerber
und einige ältere Gemeindeglieder (Familie Gräber
und Frau Königer) gekannt haben!
Aber dank Norbert Hadrichs perfektem Infoblatt fanden
alle 44 Teilnehmer den Weg nach St. Albertus. Besonders
zahlreich waren Schüler mit ihren Eltern und die
Senioren vertreten, letztere vor allem aus St. Pius. Man
kam mit Auto von der B1 aus, zu Fuß durch das Erpetal
(ab S-Bahnhof Hirschgarten oder Friedrichshagen) oder
mit dem Fahrrad durch den Wald von Berlin-Mahlsdorf her.
Der erhoffte Fahrrad-Massenstart vom Pfarrhof in Anton
war wegen des Morgenregens leider abgesagt worden.
Vorstellen muß man sich "St. Albertus"
wie Alt-Buchhorst vor der Wende, aber ohne See: Kleine
Kapelle, Gemeinschaftsräume, einfache Unterkünfte
(dennoch neu möbiliert), und viele Spiel- und Ruhegelegenheiten
auf dem eigenen ausgedehnten Waldgelände.
So
saß man zunächst trocken und zufrieden vor
der mitgebrachten Kaltverpflegung und warmen Getränken.
Ab Mittag wurde es richtig sonnig und man konnte sich
im ausgedehnten Außengelände etwas Passendes
suchen: Partner fürs Gespräch, Kartenspiele,
Bocchia oder Basketball. Andere erkundeten die schöne
Umgebung.
Um 15 Uhr fanden sich alle wieder an der unter Bäumen
aufgebauten Kaffeetafel ein. Es gab leckeren Pflaumenkuchen
und andere "gute Sachen", wie es das Infoblatt
versprochen hatte. Den Abschluß des Zusammenseins
bildete eine von Diakon Kotrè gestaltete Andacht
mit Taizèliedern in der St. Albertus-Kapelle. Und
weil auch die Organistin mitgeradelt war, mit Orgelbegleitung.
Leider kam das vorbereitete Fußballspiel nicht mehr
zustande, was die männliche Schülerschaft sehr
bedauerte.
Und
als der Letzte vom Hof fuhr, waren auch die Küche
und die Wiese wieder saubergefegt. Ein herzliches Dankeschön
allen, die diesen Tag so gelingen ließen.
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Die
eingangs erwähnte "entlegene Ecke Berlins"
kann mit einigen Besonderheiten aufwarten. Auf der Landkarte
auffällig ist vor allem die seltsame Grenzziehung
mitten im Wald: Die St. Albertus-Kapelle und ihr Vorgelände
sind Berliner Gebiet. Das St. Albertus-Hospital daneben
und die wenigen Nachbarn im Wald von "Ravenstein"
gehören jedoch zu einem Brandenburger Gebietszipfel
(nach Waldesruh). Wer die vorbeifließende Erpe überquert,
die in Brandenburg noch Neuenhagener Mühlenfließ
heißt, kommt wieder in die Berliner Wälder.
Die früher so bedeutsamen Ortsschilder sucht man
heute freilich vergebens.
Auch die Geschichte und Nutzung sind ähnlich verwickelt:
1933 kaufte die Moabiter St. Paulus-Gemeinde das Waldgelände.
Darauf wurden mit einfachen Mitteln eine Kapelle, die
Gemeinschaftsunterkünfte und Wirtschaftsgebäude
für die Selbstversorgung sowie ein Hospital (als
Altenheim) errichtet, die von Dominikanern und Maria-Regina-Schwestern
betreut wurden. In der Hitlerzeit war es angebracht, mehr
den Erholungsaspekt hervorzuheben, wie die abgebildete
Ansichtskarte von 1938 beweist. Schnell fühlten sich
auch die Katholiken aus den umliegenden Waldsiedlungen
und dem benachbarten Friedrichshagen und Waldesruh in
St. Albertus heimisch und vor allem die Kinder verbrachten
gern hier ihre Freizeit.
So blieb es auch nach 1945, obwohl es dann beschwerlich
wurde: Vor allem, als Kontrollstellen an den Berliner
Aussengrenzen (und damit auch vor St. Albertus) eingerichtet
und die russische Armee im nahen Wald einen Schießplatz
baute. 1961, als mit dem Mauerbau die Westberliner St.
Paulus-Gemeinde von der Weiternutzung ausgesperrt blieb,
drohte gar die Enteignung. Der Caritasverband konnte das
mit der Übernahme abwenden und er erschloss die Liegenschaft
in den 30 Folgejahren u.a. auch für die Seelsorge
an Gehörlosen und die St. Albertus-Bauhütte.
Seit
1991 ist wieder die St. Paulus-Gemeinde für die Kapelle
und die Unterkunftsräume zuständig. 1994 wurden
die Wälder am Erpetal für Wanderer wieder zugänglich.
Leider ist St. Albertus heute keine ständige Gottesdienststätte
und Sitz eines Pfarrers mehr, wie das noch 1983 zum 50-jährigen
Jubiläum der Fall war. Häufig sind aber an Wochenenden
und in den Ferien Diakon Olaf Tuszewski (bis 1996 in St.
Pius) und Jugendliche aus St. Paulus (oder aus St. Antonius,
wie in der Osterwoche) vor Ort.
Reinfried
Mooz - webmaster
Dieser
Beitrag erscheint auch im Pfarrbrief Nr. 72 am 3.10.04.