Busfahrt
nach Döbern u. Hornow - 6. Juni 2007
Für
den traditionellen Gemeindeausflug mit dem Reisebus hatten
sich die Organisatoren als Reiseziele Döbern
und Hornow (Hornow
mit w, aber ohne Bagger) ausgesucht. Diese Orte
liegen im südöstlichsten Winkel von Brandenburg,
zwischen Spremberg und Forst. Da war es eine gute Idee,
neben dem Bus auch gleich Dr. Pohl von "Brandenburgisch
Reisen" zu buchen. Damit war auch sichergestellt,
dass wir uns nicht nach Horno (ohne w) in den Tagebau
verirren konnten.
Von Dr. Pohl erfuhren wir schon bei der Autobahnfahrt
viel über unsere Reiseziele. Auf die wechselvolle
Geschichte der Lausitz (Volksgruppen, Sprachen, Religionen,
Landesherren) ist bei früheren Busfahrten in diesen
Raum (Spreewald, Rosenthal,
Bautzen) bereits
eingegangen worden. Diesmal war, neben der Literatur (Erwin
Strittmatter) auch ein Ausflug in die Erdgeschichte notwendig,
denn die Eiszeit prägte nicht nur die Landschaft,
sondern auch die Industriegeschichte der Lausitz.
Neben der Braunkohle fördert man hier auch Quarzsande,
die in Glashütten seit Jahrhunderten zu Glas verarbeitet
werden. In Döbern
wurde 1969 von der DDR ein Glaswerk für Geschirr-
und Schmuckgläser gebaut, das, nach 1990 modernisiert,
auch heute noch Gläser herstellt und die halbe Welt
damit beliefert. Die hoch automatisierte Produktion benötigt
nur noch 100 statt der 1000 Mitarbeiter zu DDR-Zeiten,
wie man in einem Videofilm erfährt. Zum Rundgang
um die Schmelzwanne wurden allen Besuchern Kopfhörer
aufgesetzt, so dass die Erklärungen trotz Maschinenlärms
auch im Ohr ankamen.
Die Lausitzer
Glashütte der "Crystal Company"bietet
aber noch weitere Attraktionen: Den "Hüttenspießbraten",
traditionell zubereitet in einem alten Glasofen, lernten
wir beim Mittagessen schätzen. Die künstlerischen
Glas-Kreationen konnte man in der Glasausstellung im Werksladen
bewundern (und kaufen).
Bis
zum kleinen Dorf Hornow
war es dann nicht mehr weit. Unterwegs kamen wir durch
Bohsdorf - das ist der Ort, in dem Erwin Strittmatters
"Laden" steht. Land und Leute aus der Gegend
um Spremberg (auch die Kirche von Hornow) und deren Zeit
sind in der gleichnamigen Roman-Trilogie verewigt worden.
Interessenten werden auf der Internetseite Strittmatter-Verein
fündig.
Aber
auch Hornow bot einige Überraschungen.
Die evangelische Dorfkirche St. Martin mit ihrem
massiven Turm ist schon von außen eine sehr auffällige
Erscheinung. Noch mehr ist sie es in ihrem Inneren: Sie
ist mit "Leuchtfenstern" ausgestattet, deren
Bilder mit einer selten angewandten Säureätztechnik
aufgebracht wurden. Ebenso sehenswert auch ein kunstvoller
Flügelaltar und die Malereien im Vorraum der Kirche.
Und alles kam erst im vergangenen Jahrhundert hinzu! Es
ist heute kaum noch vorstellbar, dass eine solche Kirche
wegen Kriegsschäden 1972 aufgegeben werden musste.
Dass sich schon 1986 ein Dorf an an die Rettung seiner
Kirche machte, war in der DDR keineswegs häufig -
schon gar nicht dann, wenn ein früherer Gutsbesitzer
Patron und Förderer der Kirche war.
Der ausgeprägte Gemeinsinn und Stolz der Hornower
auf ihre Kirche war auch während der Führung
durch Dr. Burchhardt, einem pensionierten Tierarzt, und
bei der Besichtigung der Sauer-Orgel und des Turmzimmers
(mit einem Dorfmuseum) zu spüren. Der Posaunenchor
und die "Frauenhilfe", die uns betreute, haben
hohes Ansehen im Ort.
Mehr über die Kirche, ihre ungewöhnliche Geschichte
und die Ortschaft Hornow ist unter www.hornow-wadelsdorf.de
zu finden.
Überraschung
zwei war die "Confiserie Felicitas" (www.confiserie-felicitas.de)
nahe dem früheren Schloß. Sie ist einem belgischen
Ehepaar zu verdanken, das hier seßhaft wurde und
die Kunst der Schokoladenzubereitung mitbrachte. Inzwischen
beschäftigt die "Schokoladenseite der Lausitz"
mehrere Dutzend Leute in einem schön hergerichteten
Gebäude. Dort wurden wir mit leckerer Trinkschokolade
bewirtet und konnten durch Schau-Fenster bei der Beschriftung
von Schokoladenformen zusehen. Im Laden der Confiserie
haben sich viele von uns mit Pralinen, exotischen Schokoladensorten
und umgehend angefertigten Auftragsarbeiten eingedeckt.
Allerdings etwas in Sorge um deren Stabilität an
diesem warmen Tag.
Überraschung
Nr. 3 war dann ein Picknick im Park neben der Kirche -
im Schatten einer 700 Jahre alten Eiche. Hier wurde selbst
gebackener Kuchen und Kaffee (auch aus Berlin mitgebracht)
gereicht.
So gestärkt und angenehm gekühlt erreichten
die 44 Reisenden samt Pralinen um 19 Uhr wieder die Rüdersdorfer
Straße - genau 12 Stunden nach der Frühmesse,
an der viele schon teilgenommen hatten.
Eine persönliche Bemerkung sei erlaubt: Diese Reise
war ebenso perfekt organisiert wie stimmungsvoll begleitet.
Vielen Dank an die Organisatoren und ihre stillen Helfer!
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